Jakobsweg

Aufbruch

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Vorbereitungen und Ausrüstung

(Eine etwas subjektive Sicht)

Das ideale Pilgergepäck? - Nichts. Es gibt tatsächlich religiöse Vorstellungen in denen das Nichts ein Ideal ist. Selbst von Franz von Assisi ist bekannt, dass er fast nichts auf seinen Reisen dabei hatte - der erste Minimalist? Bloß leider bringen die physischen Zwänge unseres (modernen) Seins dazu, ein Gepäck zu schnüren. Dazu gibt es einige grundsätzliche Erwägungen:

  • Wie wird gepilgert? - Zu Fuß, mit dem Rad
  • Wie lange wird gepilgert? - 1 Wochenende, in Etappen à 3 Wochen, oder von der Haustür bis zum Tor der Kathedrale in Santiago de Compostela, etwa 3 Monate ab Augsburg zu Fuß
  • Gesundheit
  • Wie soll übernachtet werden? Herbergen am Weg?
  • Wann ist der Aufbruch geplant?

Halten wir uns an das historische Vorbild und gehen von der eigenen Haustür zur Porta de Perdón in Santiago de Compostelle zu Fuß.


Breche auf,
lasse los,
beginne
dich zu verändern

Sei unterwegs
mit Leib und Seele
mit ganzem Herzen
entdecke dich neu.

Sammle
auf dem Weg
zur Mitte
dich selbst ein.

Und du wirst
ankommen.

Text ausgehängt
in der Kirche von Tafers (Schweiz),
am Jakobsweg


Zweitausend Kilometer Lauferfahrung drängen den Autor zu ein paar Imperativen:


Rucksack

Streben Sie ein Gesamtgewicht ihres Rucksacks von 10 kg an!

Um einen guten 60-Liter Rucksack kommt man fast nicht herum. Er wiegt leider leer schon etwa 2 Kilo. Einige Tüftler sind jedoch mit 40-Liter Rucksäcken, welche bauartbedingt nur gut 1 kg wiegen, erfolgreich unterwegs. Ganz wichtig ist es, wenn Sie noch keinen haben, den Rucksack vor dem Kauf voll beladen zu testen.

Standard ist es, im Rucksack den Schlafsack ganz unten einzupacken. Darüber und nahe an den Rücken kommen die schwersten Ausrüstungsteile. Je weiter Sie nach oben kommen, desto leichter wird das Gepäck. Empfehlenswert ist es, alles in große, durchsichtige Plastiktüten zu packen. Diese schützen vor Feuchte und Sie wissen sofort, was wo drinnen ist. Verzichten Sie auf Etuis, kleine Taschen usw. da sie unnützes Gewicht mitbringen. Eigentlich sollten sie schon an der Waage scheitern. Gut, wenn auch unschön, sind stabile Plastiktüten. Auf Ästhetik kommt es beim Pilgern nicht an. Halten Sie unterwegs Ordnung und betreiben Sie regelmäßig 'Inventur'. Dabei sondern Sie unnützes Gewicht aus. Nachdem Brösel usw. entfernt sind, macht das Pilgern wieder viel mehr Freude.


Die Waage

Gewicht ist das A und O. Pilgern dürfen Sie als ein Gleichnis für das Leben sehen. Sie pilgern umso einfacher, je weniger Sie sich belasten. Den größeren Komfort bringt immer die LEICHTERE Sache, die Sie mitnehmen, nicht die komfortablere. Am besten lassen Sie etwas zu Hause. Sie können unterwegs einkaufen.

Wiegen, wiegen und nochmals wiegen!

Jedes mitgenommene Teil sollten Sie vorher auf die (Brief)Waage legen und überlegen, ob es nicht eine leichtere Alternative gibt. Manchmal werden Sie dabei ganz schöne (!) Überraschungen erleben.

Tipp:
Gewicht nehmen Sie erst RICHTIG wahr, wenn Sie es wieder aus dem Rucksack entfernen: Laufen Sie 10 km mit Ihrem fertig gepackten Rucksack. Entnehmen Sie ein knappes Kilo Gepäck (z.B. in Form von Wasser) und laufen 5 km weiter. Sie werden den Unterschied deutlich merken.


Wäsche und Kleidung

Nehmen Sie sehr wenig Wäsche mit. Reicht sie nicht, kaufen Sie nach. Als Pilger werden Sie bescheidener. Manche schätzen sogenannte 'Funktionsunterwäsche' weil sie leicht ist und schnell trocknet. Andere mögen die Trageeigenschaften der Kunststofffasern nicht. Tägliche Handwäsche mit normaler Seife geht gut.

Kleidung muss allen Wetterlagen standhalten. Die schlimmste ist eigentlich strömender Regen, der insbesondere in fremden Mittelgebirgslagen oftmals heftiger ausfällt, als Sie es in Ihrer Heimat gewohnt sind. Ein großer Regenponcho aus wasserdichter, robuster Kunststofffolie, der über den ganzen Pilger mitsamt Rucksack geht, ist eine gute Lösung gegen Durchnässen. Atmungsaktivität ist bei diesen Wetterlagen nicht nötig. Wasserdicht ist das Gebot.

Das größte Problem sind nasse Schuhe. Dagegen gibt es kein Rezept - vielleicht Gamaschen. Nasse Schuhe können Sie nach der Ankunft mit Zeitung ausstopfen. Diese saugt die Feuchtigkeit auf. Öfter wechseln, auch in der Nacht!
Trekkingsocken bestehen oft aus synthetischen Materialien und sind der Ergonomie des Fußes besser angepasst. Sind sie für den linken und rechten Fuß gekennzeichnet, ist es wichtig, sie nicht zu verwechseln damit sie ihre Passform behalten.

Eine Trekkinghose ist leichter als eine normale Jeans, auch leichter zu tragen.
Einige Pilger nehmen auf dem Weg messbar ab. Die Folgen in Bezug auf die Kleidung sind klar.


Grüner Armee-Regenponcho
Keine Schönheit ist dieser Plastik-Mantel aber er schützt gut gegen Regen.

Gesundheit

Aufbrechen wird nur, wer sich guter Gesundheit erfreut.

Gerade die erste Frühjahrssonne ist tückisch wenn Ihre Haut nach dem Winter noch nicht an UV-Strahlung gewöhnt ist. Reiben Sie sämtliche bloßen Körperstellen unter Tags auch bei bedecktem Wetter mehrmals mit Sonnencreme ein. Der Lichtschutzfaktor darf 20 nicht unterschreiten. Schließlich sind Sie täglich 8-10 Stunden im Freien. Vergessen Sie nicht Ihre Hände, um Sonnenbrand auf den Handrücken zu vermeiden. Gegen Sonnenbrand auf den Lippen hilft ein Lippenstift mit besonders hohem UV-Schutz (größer 20).

Blasen sind ein typisches Problem, worüber viele Pilger klagen. Vorbeugend verhinderte bei mir das Tragen von 2 Paar einfachen Baumwollsocken übereinander Blasenbildung quasi vollständig. Auf diese Weise reiben die Socken gegeneinander in den Schuhen und nicht der Socken am Fuß. Es gibt vielerlei Abwandlungen dieser Methode. Auch das vorbeugende Einreiben der Füße mit Hirschtalg, um die Haut geschmeidig zu halten, hat schon vielen Pilgern Blasen erspart. Fußpilz (Fungus) fördert die Blasenbildung erheblich. Die Haut beginnt sich zu schälen. Das Klima in den Wanderschuhen ist genau das richtige dafür. Mir half ein Antimykotikum (Salbe).
Blasen bilden sich oft in den ersten Tagen wenn sich Ihre Füße noch nicht ans Laufen gewöhnt und noch keine ausreichende Hornhaut gebildet haben. Informieren Sie sich im Voraus genau über die Behandlung von Blasen. Fragen Sie Ihren Hausarzt. Wichtig ist es, sorgfältig und steril zu arbeiten. Spezielles Blasenpflaster, welches u.a. Apotheken anbieten, ist hilfreich.

Besuchen Sie Ihren Zahnarzt. Lassen Sie alle notwendigen Behandlungen vor dem Aufbruch durchführen, damit Sie unterwegs kein Problem bekommen.


Krankenversicherung

Fragen Sie ihre Krankenkasse nach der 'Europäischen Krankenversicherungskarte' und Leistungen.

Informieren Sie sich über Umfang und Verfahren zur Inanspruchname von Leistungen im Ausland. Machen Sie sich auf Zuzahlungen gefasst, bzw. die gesamten Behandlungskosten vorstrecken zu müssen. Behindert mit Kostenerstattung verbundene Bürokratie die Fortsetzung Ihres Weges?

Auf jeden Fall sollten Sie eine zusätzliche Reisekrankenversicherung abschließen.
Vorsicht: Die meisten Versicherungen gestatten nur Reisen ohne Unterbrechung bis zur Länge von 45 Tagen.

Fragen Sie Ihre gesetzliche Krankenkasse nach Zuschüssen für 'Präventionskurse'. Dies sind sportliche Aktivitäten, die der gesundheitlichen Vorsorge dienen. Oft wird ein Teil der Kursgebühr erstattet. Für den Pilger sind Nordic-Walking interessant aber auch Wirbelsäulengymnastik zur Stärkung des Rückens. Schließlich will der Rucksack getragen werden.

Papiere

Personalausweis reicht in der EU.

Geldautomaten gibt es ausreichend.
Auf die Gebühren achten!

Ein einfaches Tastenhandy genügt, um bei Herbergen nach Plätzen anzufragen. In den französischen 'gîtes d'étapes' wird meist um Reservierung gebeten. In den spanischen Pilgerherbergen ist in der Regel keine Reservierung möglich.

Pilgerausweis

Mit dem Pilgerausweis, welcher z.B. bei der Jakobuspilgergemeinschaft Augsburg e.V. zu bekommen ist, darf in speziellen Pilgerherbergen übernachtet werden soweit sie vorhanden sind.

Risiko

Das Diebstahlrisiko auf der langen Strecke ist hoch z. B. an Stadtfesten oder in großen Herbergen auch wenn der Weg vielerorts ruhig ist. Deshalb sollten Sie Geld möglichst nah am Körper unter der Kleidung tragen. Ein Portmonnaie in der Hosentasche zieht Taschendiebe an. Sie sind im Stande zu stehlen, ohne dass der moderne Pilger etwas davon bemerkt. Besser als ein Portmonnaie ist ein Brustbeutel. Stecken Sie Ihre Papiere in der Nacht mit in den Schlafsack. Wichtige Rufnummern haben Sie mehrmals notiert und bewahren diese an unterschiedlichen Stellen auf. Müssen Sie Ihre Bankkarte nach Verlust über die Sperrstelle für ungültig erklären, brauchen Sie die richtige Telefonnummer sowie alle nötigen Daten wie Kartennummer, Bankleitzahl usw.. Wie Sie in diesem Fall zu einer neuen kommen, klären Sie vor dem Aufbruch. Denken Sie an Gefahren. Was ist Ihnen im Gefahrenfall nützlich?


Weg und Schuhwerk

Der Jakobsweg ist ein Höhenweg. Historisch waren viele Täler wegen Sumpf nicht begehbar. Der Weg steigt in Mittelgebirgen oft an und schlängelt sich wieder nach unten. Er ist aber nirgends über eine längere Strecke richtig alpin. Eine Ausnahme bildet vielleicht eine Variante in der Schweiz. Kilometerlange Feldwege, Waldwege, Bergpfade im Mittelgebirge und Wiesenwege formen den Weg. Es gibt aber auch Etappen, während denen Sie sich fast nur auf Asphalt bewegen werden. Schwere Bergschuhe brauchen Sie nicht. Ein Paar leichtere halbhohe Wanderstiefel mit ca. 1100g sind eine gute Wahl.


Route und Orientierung

Natürlich studieren Sie vor dem Aufbruch genau die Route. Die 'Traumstationen' des Weges werden Sie schnell kennen und somit grundsätzliche Orientierung gewinnen. Im Allgemeinen ist der Weg von Deutschland bis Spanien sehr gut beschildert. Trotzdem ist es sinnvoll, sich unterwegs Karten zu beschaffen und nicht mehr benötigte nach Hause zu schicken. Es ist UNMÖGLICH und unsinnig, gesamtes Kartenmaterial für den Weg von zu Hause aus mitzunehmen. Eine detaillierte Liste der Ortsnamen am Weg hilft immer wieder, einen Anknüpfungspunkt zu finden. Beschreibungen von Baudenkmälern usw. finden Sie unterwegs. Die Wegbewohner zeigen sich zumeist sehr hilfsbereit, wenn man sie nach dem 'Camino' frägt.


Camping

natürlich nur auf dafür ausgewiesenen Plätzen. Es gibt am Markt sehr wenige 1 Mann-Zelte bis 1500 g Gewicht. Alles, was darüber ist, ist zu viel. Die wenigsten Pilger nehmen allerdings ein Zelt mit. Mit dem Rad ist eines auf Strecken ohne Pilgerherbergen empfehlenswert, und das Gewicht ist nicht so kritisch. Eine kleine Taschenlampe hilft Ihnen vor dem Schlafen, Stechmücken im Zelt zu fangen. Wichtig ist eine Liegematte. Ein Großteil der Körperwärme wird nachts in den kalten Boden abgeführt. Hier hilft eine gute Isolation wie sie selbstaufblasende Matten bieten.


Jahreszeiten

Der Winter ist i. A. zu problematisch und deshalb schlecht zum Pilgern geeignet. Gerade in der Schweiz kann der Schnee meterdick werden. In der Regel durchläuft der Pilger 2 Jahreszeiten. Bricht er im zeitigen Frühjahr auf, so braucht er noch einige Winterkleidung wie einen Pulli aus Fleeze. Diesen wird er mit nahendem Sommer nach Hause schicken um Gewicht zu sparen. Auch der Schlafsack könnte 'angepasst' werden, jedoch bedeutete das einen Neukauf auf dem Weg.


2 Wanderstöcke

entlasten spürbar Ihre Kniegelenke beim Gehen!

Ein Grundproblem beim Pilgern sind Ihre Kniegelenke. Sehr viele Pilger klagen unterwegs über Schmerzen in den Knien. Die ständige physische Belastung durch Stöße ist enorm und kann bleibende Schäden (Abnutzungserscheinungen) hervorrufen, auch wenn Sie es nicht sofort bemerken. Diese Gefahr ist ein sehr gewichtiger Grund, den Jakobsweg vielleicht doch in Etappen anzugehen. Der Einsatz von 2 Stöcken beim Gehen ist obligatorisch, da so Ihre Knie bis 30% entlastet werden. Bandagen können zusätzlich hilfreich sein, müssen aber individuell exakt passen.

Sehr gut eignen sich einteilige Nordic-Walking-Stöcke in individuell passender Länge. Sie sind wesentlich leichter als Zusammenschiebbare. Lässt man stets Gummipuffer auf den Spitzen und wechselt diese rechtzeitig, bleiben die Spitzen heil. So sind sie beim Gehen kaum hörbar und stören Gespräche mit Weggefährten nicht.

Gute mehrteilige Wanderstöcke klappern nicht beim Gehen, schieben sich nicht ungewollt zusammen, sind stramm gefedert und haben austauschbare Metallspitzen. Es können ebenfalls Gummipuffer verwendet werden. Gummipuffer oder Spitzen nutzen sich ab und müssen auf der langen Strecke ersetzt werden. Passende Ware ist schwer zu bekommen. Sie können sich Ersatz mit in den Rucksack packen oder im Voraus zu Bekannten ins Ausland schicken, eventuell auch postlagernd an eine Poststelle.

Vergleichen Sie die Beschaffenheit der Handschlaufen. Vorsicht bei ihrer Verwendung. Unterwegs berichtete mir ein Pilger von einem Sturz weil seine Hand in der Schlaufe 'gefangen' war.

Geh-Erfahrung:
Arbeiten Sie mit den Armen. Geben Sie viel Kraft auf die Stöcke.
Ohne mir unterwegs ein Paar Stöcke anzuschaffen, wäre ich wegen Problemen mit meinen Knien sicherlich nicht in Santiago angekommen. Auf meinem Weg traf ich viele Pilger, denen es ähnlich ging.

Ein erfahrener Pilger soll einmal gesagt haben:
'Sämtliche Tiere, die weite Strecken zu Lande zurücklegen laufen auf 4(!) Beinen, nicht auf 3.'



Vollständiges Pilgergepäck



Testläufe

Selbstverständlich führen Sie Testläufe mit Ihrer 'echten' Ausrüstung durch. Über 14 Tage verteilte Probeläufe mit einer Etappenlänge bis 25 km - auch mit Übernachtung - trainieren nicht nur Ihren Körper. Sie zeigen auch Mängel in Ihrer Ausrüstung recht zuverlässig auf. Eine 25 km lange Versuchsetappe unter starkem Regen zeigt Ihnen, ob Ihr Regenpocho Realbedingungen besteht. Befinden Sie sich erst 'richtig auf dem Jakobsweg', sind Sie an Teile der Ausrüstung fast auf 'Gedeih oder Verderb' gebunden (sh. Einkaufen unterwegs). Beispielsweise werden Sie Ihren Rucksack kaum gegen einen anderen austauschen. Auch ein passenderer Schlafsack ist unterwegs schwer zu bekommen.


Verpflegung

In der Regel gibt es ausreichend Einkaufsmöglichkeiten. Überlegen Sie jedoch bei der Etappenplanung. Die Größe eines Ortes auf der Karte gibt recht zuverlässig Auskunft über vorhandene Geschäfte, jedoch nicht über Öffnungszeiten und Ruhetage. Wer was gern mag, bleibt jedem selbst überlassen. Viele Lebensmittel lassen sich jedoch schlecht im Rucksack transportieren. Entweder wird die Verpackung undicht oder sie werden durch die ständigen Stöße zu Brei verarbeitet, den der Pilger dann im Rucksack zusammenkratzen darf. Besonders tückisch sind diesbezüglich die schönsten Bananen. Äpfel und Orangen machen dagegen ziemlich viel mit. Brot und Käse sind Standard. Bei Hitze übt der Pilger das 'Butterfasten', da die Sonne den Verfeinerer fürs Brot in dünnflüssiges Öl verwandeln würde. Überhaupt verderben die guten Vorräte bei Hitze schneller. Gewicht lässt sich sparen, indem Sie nur tragen, was Sie tagsüber brauchen und abends für den Morgen einkaufen. Ein Apfel, den Sie einen Tag herumtragen, belastet Ihren Rücken unnötig um 200 Gramm. Abends bieten manche Restaurants ein spezielles 'Pilgermenü'.

Ganz wichtig ist es, genug zu trinken, insbesondere bei Hitze. Dann sind 3 Liter täglich und mehr unerlässlich. Eine ganz normale 1 Liter PET-Flasche, die Sie immer wieder befüllen, reicht aus. Tauschen Sie diese regelmäßig aus. Gerade wenn es ums Trinken geht erlebt der Pilger ein überraschendes Paradoxon seines Seins: Friedhöfe verwandeln sich für ihn plötzlich in Orte des Lebens, wenn er dort frisches, fließendes Wasser findet.


Ausrüstungsteile unterwegs kaufen

kann im Ausland sehr schwierig sein mangels entsprechender Geschäfte am Weg. Die Qualität entspricht nicht immer der von zu Hause gewohnten. In größeren Städten findet man jedoch Material. Wollen Sie sich von zu Hause etwas schicken lassen, sind die Paketlaufzeiten oftmals länger als angegeben.


'Software'

Hier braucht der Pilger nicht zu sparen, da sie nichts wiegt. Der Winter bietet Ihnen die beste Gelegenheit, intensiv die am Weg benötigten Fremdsprachen zu erlernen. Da Sie keine englischsprachigen Gebiete durchqueren wollen, wird auch nur selten englisch gesprochen. Das Gespräch unterwegs in Fremdsprache mit den Einheimischen ist unvorstellbar bereichernd und entlohnt tausendfach die Mühe des Winters.

In Kirchen darf frei gesungen und gebetet werden. Das waren mit die schönsten Momente meines Weges. Auswendig gelernte (geistliche) Lieder und Gedichte entwickeln sich auf dem Weg oft zu Schätzen, von denen der Pilger geistig zehrt.
„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht.”
(Mathäus-Evangelium 4,4)


Tagebuch

Viele Pilger führen ein Tagebuch. Der Jakobusweg ist ein Weg des Lebens. Tatsächlich gewinnt er für viele Pilger entscheidende Bedeutung für ihr Leben, da er ihnen die Möglichkeit eröffnet, Erfahrungen zu sammeln, Entscheidungen zu treffen oder auch Probleme zu lösen. Es ist heilsam, wenn der Pilger diesem Prozess ein wenig an Antlitz zu verleihen vermag, indem er wichtige Gedanken schriftlich fixiert. Dazu dient z.B. ein sehr persönliches Heft mit dem der Pilger diskreten Umgang pflegt. Gedanken, die schon vor dem Aufbruch niedergeschrieben wurden, können sich als Schlüssel zu neuen Räumen erweisen. Steno spart hier Platz und Zeit.


Foto

Oft werden Sie sich mit Wegbekanntschaften über familiäre Dinge oder das Zuhause unterhalten. Solche Kontakte können unglaublich bereichernd sein. Wenn Sie ein Foto von Ihrem Zuhause, dem Garten, den nächsten Angehörigen o. Ä. zeigen, kann sich Ihr Gesprächspartner mehr vorstellen. Ein kleines Adressregister ist sinnvoll wenn Sie Karten verschicken wollen.

Papier wiegt enorm. Packen Sie sparsam.


Nur Mut

Wenn Sie bei der Lektüre dieses Erfahrungsberichts das Gefühl bekommen, sie müssten sich 'aufs Fegefeuer vorbereiten', nur Mut. Tatsächlich macht der Pilger auf seinem Weg eine Art 'Läuterungsprozess' durch, aber - und darin sind sich alle einig, die es glücklich geschafft haben: Es ist ein sehr angenehmer.

...und packen Sie Ihren guten Humor mit ein, und gehen Sie achtsam mit ihm um denn wenn Sie den verlieren, ist die Sache wahrscheinlich umsonst.
...und es kann sowieso alles ganz anders sein und irgendwie kommt jeder in den Himmel.


Simon Brixel  nach oben