Pilgern auf dem

Jakobsweg



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Gastfreundschaft
Quartiere
Räume der Stille



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Wer pilgert ist unterwegs in der Fremde und wird dort zum Fremden. Er verlässt sein sicheres Haus und seine bekannte Heimat. Dies ist zugleich eine bereichernde und verunsichernde Erfahrung. Die vielfältigen Sorgen und Nöte des Lebensalltags bleiben zurück und verlieren eine Zeitlang ihre Bedeutung. Neben der religiösen Komponente bestimmen den Pilgeralltag vor allem die Fragen: Wo kann ich übernachten? Bekomme ich dort oder unterwegs etwas zu essen?

An dieser Stelle grundlegender Lebensbedürfnisse zeigt sich die Wichtigkeit und Kraft guter zwischenmenschlicher Beziehungen. Die uralte Geste der Gastfreundschaft als Gebot der Nächstenliebe gewinnt für den Menschen auf dem Weg plötzlich eine aktuelle und ganz neue Bedeutung. Die Begegnung von Mensch zu Mensch schenkt dem „Fremden” ein Stück „Heimat” und Geborgenheit.

Wer einen weiten Weg geht, durch unterschiedliche Länder, wird unterschiedlichen Formen von Übernachtungsmöglichkeiten für Pilger begegnen. Sie reichen vom einfachen Strohlager beim Bauern oder Matratzenlager in einer Kirchengemeinde über die Aufnahme in privaten Haushalten und „Refugios” genannten Pilgerherbergen bis hin zu gewerbsmäßigen Gasthöfen. Im Mittelalter waren auch Hospitäler zur Aufnahme von Pilgern verpflichtet.

Eine besondere Stellung nehmen die Klöster mit ihren „Räumen der Stille” ein. Schon nach der Regel des im Jahr 347 verstorbenen Pachomius, eines der „Väter" des christlichen Mönchtums, sollten Klöster eigene Räume für die Aufnahme von Fremden haben und das Amt eines Fremdenbruders einrichten. Im Jahr 816 wurde allen Klöstern die von Benedikt von Nursia 530 verfasste Regel vorgeschrieben, die im Kapitel 53 „von der Aufnahme der Gäste” handelt. Im Laufe der Jahrhunderte war die Erfüllung dieser Regel durch vielfältigste Umstände immer wieder Veränderungen unterworfen. Die Möglichkeit der Teilnahme an der klösterlichen Stille und am Gebet hat sich jedoch unverändert erhalten. Durch die Renaissance des Pilgerwesens in unserer Zeit findet eine Wiederbelebung der klösterlichen Gastfreundschaft für gläubige Pilger statt.
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Heidi Rohrlack 

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